Logbuch der Atlantiküberquerung, Tag 1.- Tag 24.

 

Ankunft in St. Lucia nach 24. Tagen

Die Atlantiküberquerung

Von Sonntag, 20.November 2016, bis Mittwoch, 14. Dezember 2016, haben wir mit unserer DIANA den Atlantik überquert. Von Gran Canaria bis St. Lucia in der Karibik waren wir ziemlich genau 24 Tage unterwegs. Wir haben eine Strecke von 3.179 Seemeilen zurückgelegt (die direkte Strecke beträgt 2.700 Seemeilen). Während der Fahrt haben wir versucht, täglich unsere Eindrücke und Gedanken festzuhalten. Hier der Bericht:

Die Route: Die rote Linie ist die direkte Route; die gelbe Linie sind wir gefahren

 

Tag 1 (Sonntag, 20.11.2016)

Elke:

Am 20.11.2016 starten wir unsere Atlantiküberquerung mit der ARC 2016. Alle sind sehr aufgeregt, im Hafen herrscht hektische Betriebsamkeit. Ab 10.30 Uhr fahren die ersten Boote hinaus und werden lautstark verabschiedet.

Die Hafenmole ist voller Menschen, die den Schiffen zuwinken. Einige Segler haben sich für diesen Moment schwer in Schale geworfen.

Wir legen um 12.26 Uhr ab. Der Hafen hat sich geleert, aber an der Hafenausfahrt ist die Hölle los. Stau wie daheim auf der A3. Bis zur Startlinie sind es 1,5 nm. Zuerst starten die Multihulls (Katamarane), dann die Racerdivision und zum Schluss um 13.00 Uhr unsere Cruiserdivision. Wir lassen es langsam angehen und überqueren die Startlinie um 13.15 Uhr. Mit hunderten anderen Booten segeln wir mit wenig Wind nach Süden. Ziemlich aufregend!

Am Nachmittag frischt der Wind in der sog. acceleration zone (Starkwindzone) nach dem Flughafen deutlich auf 19 kn auf, später lässt wieder nach.

Die erste Nacht heißt es gut Ausguck halten. Es ist stockfinster. Wir sind – teilweise auch sehr nah – von jeder Menge Boote umgeben, einige ärgerlicherweise mit nur passivem AIS , außerdem kommen uns nun eine Reihe Frachter entgegen. Puh! Uns müssen erst wieder die Seebeine wachsen, aber die Stimmung an Bord ist gut und keiner wird seekrank. Am Abend gibt es Nudeln mit Tomaten- und Thunfischsoße und alle sind zufrieden.

 

Tag 2 (Montag, 21.11.2016)

Elke:

Heute hat sich das Feld deutlich gelichtet. Wir sehen zwar immer noch einige Schiffe, aber in erfreulicher Entfernung und Anzahl. Es ist bedeckt und leider schläft der Wind am späten Vormittag immer mehr ein. Am Abend dümpeln wir mit 2,5 kn bei 4 kn wahrem Wind vor dem Wind her. Aber zum Eingewöhnen ist es herrlich. Die Wellen sind ziemlich klein, bis auf gelegentliche Kawenzmänner, das Boot schaukelt wenig und alles ist friedlich. Bei dem Tempo kommen wir zwar erst zu Silvester in der Karibik an, aber das wird sicher nicht so bleiben. Wir genießen daher die Ruhe und eine pechschwarze Nacht.

Unser heutiges Etmal beträgt 121 nm. Das ist nicht besonders viel, reicht aber zum Ankommen in 24 Tagen.

Zum Abendessen gibt es bunten Salat und Nudeln mit Fleisch. Alles noch frisch vorhanden und lecker.

 

Tag 3 (Dienstag, 22.11.2016)

Elke:

Der Wind hat im Laufe der Nacht immer mehr nachgelassen, wir dümpeln mit 1-2 kn vor uns hin und die Segel schlagen. Dementsprechend beträgt das heutige Etmal – die von 12 Uhr bis 12 Uhr am nächsten Tag gesegelte Strecke – nur 94 nm.

Heute probieren wir zum ersten Mal Schmetterlingssegeln aus, die Genua wird mit dem Spinnakerbaum ausgebaumt und das Großsegel mit Bullenstander auf der anderen Seite fixiert. Das sieht schön aus, macht uns aber auch nicht schneller. Wir überlegen kurzzeitig, das Code Zero zu setzen, entscheiden uns aber gegen diese Arbeit, weil der Wetterbericht für den Nachmittag auffrischenden Wind versprochen hat. Und der kommt auch! Am Nachmittag frischt der Wind innerhalb von Sekunden auf 10-15 kn auf. Wir reffen etwas und das ist auch gut so, denn kurze Zeit später trifft uns der 1. Squall. Das sind kleine Schlechtwettergebiete mit starken Winden und sintflutartigem Regen, die auf unserer Strecke marodierend von Nord nach Süden ziehen und Segel zum Zerfetzen suchen. Wir reffen schnell weiter, deshalb gibt es bei uns nicht zu holen.

Das schlechte Wetter hat sich aber eingependelt, 18-23 kn achterlicher Wind mit Böen bis 27 kn, dunkler Himmel, Regen und ca. 2-3 m hohen Wellen, die unsere Diana von der Seite durchschaukeln. Die Kawenzmänner haben auch ein anderes Format, da heißt es gut festhalten. Diana kann das gut aushalten, aber ihre Bewohner müssen sich erst wieder daran gewöhnen, dass es pfeift, das Schiff durchgeschaukelt (und manchmal geschupst) wird und alles, was nicht niet- und nagelfest verstaut ist, durch das Schiff fliegt. Unter anderem auch ich, als ich einen Moment nicht aufgepasst habe.

Das wird eine anstrengende Nachtwache.

Unser Windpilot, die mechanische Windsteueranlage, steuert. Eben musste ich raus, weil er die Kurve nicht mehr gekriegt hat und wir kurz vor einer Halse standen, was bei dem Wind nicht ungefährlich wäre. Ein ganz schöner Schreck! Aber ansonsten arbeitet der Windpilot, der uns auch schon viel Ärger bereitete, im Moment auf diesem Kurs o.k. (wenn Markus ihn einstellt, wir beide müssen uns noch mehr anfreunden), was unserer Energiebilanz sehr zu Gute kommt, da der Windpilot im Gegensatz zum Autopiloten keinen Strom verbraucht. Kühlschrank, Instrumente, Lichter und Autopilot verbrauchen nämlich mehr Strom als die Solarzellen erzeugen, nachts sowieso, aber auch tagsüber. Wir müssen auf der Fahrt daher 1 bis 2 mal täglich den Motor im Leerlauf laufen lassen, um die Batterien ordentlich zu füllen. Viele Segler erzeugen nur mit der Lichtmaschine Strom, wir wollten aber ein redundantes System haben und außerdem nervt die Maschine am Ankerplatz, daher die Solarzellen. Beim nächsten Mal würden wir uns zu den Solarzellen einen Hydrogenerator anschaffen, der hinter dem Boot hergezogen wird und über einen im Wasser liegenden Propeller während der Fahrt Strom erzeugt.

Die Nacht auf Mittwoch ist anstrengend. Der starke Wind und der hohe Seegang lassen nicht nach. Zweimal läuft das Schiff aus dem Ruder, da mehrere hohe Wellen nacheinander es aus dem Kurs drücken und der Windpilot so schnell keine Kurskorrektur schafft. Markus ist dann raus, hat den Windpiloten ausgekuppelt, den Motor angemacht und das Schiff wieder auf Kurs gebracht.

Oskar und Nestor geht es gut. Bei dem schwerem Wetter bleiben sie fast den ganzen Tag in der Kajüte. Sie lesen, toben herum, schlafen. Für die beiden scheint es schon ganz normal zu sein, auf einem schwankenden Zuhause unterwegs zu sein.

 

Tag 4 (Mittwoch, 23.11.2016)

Markus:

Heute Mittag werden wir schon drei ganze Tage (72 Stunden) unterwegs sein. Dann dürften wir um die 360 Seemeilen zurückgelegt haben. Nicht gerade berauschend, da wir an guten Tagen auch mehr also 140 sm am Tag schaffen. Aber angesichts der Schwachwindphase Montag/Dienstag ganz o.k. Viele Yachten hatten bei der Schwachwindphase bereits den Motor angeworfen, um Strecke zu machen. Angesichts unserer Ungewissheit darüber, wie viel von unserem Dieselvorrat wir in den kommenden Wochen noch brauchen, schien uns ein ausgiebiger Motoreinsatz noch zu früh. So hat sich das Feld der ARC Yachten stark gelichtet. In der letzten Nacht haben wir nur noch zwei andere Schiffe auf unserem AIS Gerät gesehen, ansonsten waren wir alleine.

Wir setzen den Spinnakerbaum für die Genua und den Bullenstander für das Großsegel. Dann segeln wir Schmetterling vor dem Wind. Genua nach Steuerbord und gerefftes Groß nach Backbord. Super! Diana gleitet nach Süden dahin.

 

Die Kinder fangen heute wieder mit der Schule an. Die ersten Tage auf See müssen wir alle uns erst eingewöhnen, an Schule ist da nicht zu denken. Aber heute können wir anfangen.

Abends erreicht uns folgende Nachricht:

„NOAH – The five crew members of the yacht NOAH have been successfully evacuated from their yacht after it started to take on water today, Wednesday 23.

Wir sind entsetzt und traurig. Die nette Familie aus Wuppertal haben wir auf Gran Canaria kennen gelernt, unsere Kinder haben oft zusammen gespielt. Das neue Schiff der Familie hatten wir grade noch vor der Abfahrt besichtigt. Kein Serienschiff, sondern ein Einzelbau aus Alu. Die Grefraths haben eine Menge Arbeit in das Schiff gesteckt. Und nun sinkt es? Was für ein Horror für die Familie. Jahrelange Vorbereitung und Vorfreude und nun geht die NOAH in die Tiefe des Atlantiks. Aber zum Glück ist keinem etwas körperlich passiert.

Da das im Sinken befindliche Schiff genau auf unserer Kurslinie liegt, haben wir große Angst, im Dunkeln darauf zu stoßen. Wir fahren ein weiträumiges Ausweichmanöver.

Unsere Stimmung ist gedrückt.

 

Tag 5 (Donnerstag, 24.11.2016)

Markus:

Sonnig. Es wird wärmer. Mittlerweile befinden wir uns auf dem 22. Breitengrad, also weit südlich der Kanaren. Tags und nachts tragen wir kurze Hosen, T-Shirt. Es fällt uns schwer vorzustellen, wie es im Moment daheim in Deutschland ist im November. Grau wahrscheinlich, aber auch vorweihnachtlich. Die Weihnachtsmärkte haben auch schon auf. Weit weg im Moment.

Bei gutem Wind, ca. 15 Knoten, kommen wir gut voran. Wir setzen Kurs genau auf die Kapverden. Die Wettervorhersagen holen wir über unser Iridium Satellitentelefon ein. Dies wird als Modem für den Computer verwendet. Die Datenmengen müssen aber sehr klein sein, sonst ist ein Empfang nicht möglich. Weiter westlich soll eine Flaute herrschen. Gute Passatwinde nach Westen sind wohl erst noch weiter südlich als bei den Kapverden, nämlich so um den 15. Breitengrad herum, zu finden. Wir werden also noch weiter nach Süden müssen, bevor wir nach Westen „abbiegen“. Wie Kolumbus.

Elke:

Wir denken oft an die Noah und fragen uns, wie es ihnen geht. Hoffentlich schaffen sie es, darüber hinwegzukommen und irgendwann ihren Segeltraum doch noch zu verwirklichen! Das wünschen wir ihnen von ganzem Herzen.

Wunderschön ist es heute auf dem Atlantik. Tagsüber gleiten wir über der tintenblauen See unter dem weitem blauen Himmel dahin und genießen die Ruhe. Einmal fährt in 25 nm Entfernung ein Frachter vorbei, sonst sind wir allein. Gelegentlich sehen wir einen Vogel vorbei fliegen. Das sind die einzigen Tiere, die man überhaupt sieht, die restlichen verstecken sich unter Wasser.

Nachts leuchtet über uns ein unglaublicher Sternenhimmel. Während meiner ersten Wache will ich nun endlich den lang ersehnten Wunsch wahr machen und die „Dark Side off the Moon“ hören. Mit von Oskar geliehenen Kopfhörern mache ich es mir gemütlich und genieße einige Minuten den Sound (und das ist wirklich sehr abgefahren alleine in zischenderFahrt über den Ozean, wobei die „Wish you were here“ noch besser kommt) dann „Rumms“ – der Wind hat sich gedreht und der Großbaum schlägt laut hin und her. Weil wir die Genua noch ausgebaumt haben, kann ich nicht anluven und muss mich mit den schlagenden Segeln rumärgern (im Dunkeln will und soll sowieso keiner von uns alleine nach vorne gehen und den Spinnackerbaum abbauen). O.k., nächstes Mal. Markus übergebe ich die Wache und das Musik-IPhone. Der Wind hat mittlerweile wieder gedreht.

Markus:

Nachts Gänsehautfeeling. Ich sitze draußen im Cockpit und höre Pink Floyd über Kopfhörer (die anderen schlafen in ihren Kojen). DIANA gleitet über die recht ruhige See mit raumem Wind dahin. Der Autopilot steuert. Nur 10 Knoten Wind aber 6,0 – 6,8 Knoten Geschwindigkeit. Über uns ein riesiger Sternenhimmel. So habe ich die Sterne noch nie gesehen. Sie reichen bis an den Horizont hinunter. Kein Licht stört. Mehrere Sternschnuppen. Das Kielwasser leuchtet durch das fluoreszierende Plankton. Seit Stunden haben wir schon kein anderes Schiff mehr gesehen. Wir scheinen ganz allein hier zu sein. Wahnsinn!

 

Tag 6 (Freitag, 25.11.2016)

Elke:

Heute schönstes Segelwetter mit raumen Wind von 10 Knoten, abends allerdings einschlafend. Wir duschen alle mit Salzwasser und spülen sparsam mit Süßwasser nach. Erstaunlich, mit wie wenig Süßwasser man hinkommen und trotzdem komfortabel leben kann, wenn man achtsam ist. Wir haben eine Süßwasserhandpumpe im Bad und eine Salzwasserhandpumpe in der Spüle installieren lassen und die bewähren sich jetzt. Achtsamkeit brauchen auch die frischen Lebensmittel: Obst, Gemüse und Eier haben wir vor einer Woche auf dem Markt gekauft. Weil unser Kühlschrank an Bord nicht groß genug ist, muss alles ungekühlt gelagert werden. Wir haben deshalb darauf geachtet, nur ungekühltes Obst und Gemüse aus Gran Canaria zu kaufen, dieses auf dem Steg (wegen der Kakerlaken) gut gewaschen (außer Kartoffeln und Möhren) und luftig in den Schapps verstaut. Alles muss täglich kontrolliert, gewendet und aussortiert werden. Mittlerweile macht das richtig Spaß, ich kenne jedes Stück persönlich und bin schon geneigt, ihnen Namen zu geben. Davon habe ich aber wieder abgesehen, weil wir ansonsten vielleicht Hemmungen hätten, Rosi und Gerti zu essen.

Tag 7 (Samstag 26.11.2016)

Markus:

Wir überlegen, Mindelo auf der Kapverdeninsel Sao Vincente anzulaufen. Dort gibt es eine Marina. Wir könnten den Kindern ein Eis kaufen, eine Nacht ruhig schlafen und morgens Diesel nachfüllen. Das Problem ist aber, das wir dort wohl nachts ankommen würden. Eine elektronische Karte des Gebiets haben wir nicht. Im Revierführer „Atlantic Islands“ steht, dass durch den Düseneffekt zwischen den Insel häufig starker Wind vor Mindelo herrscht. Das nachts ohne Karte? Oder zwischendurch treiben lassen und morgens ankommen?

Nachts ist kein Wind und wir motoren unsere ersten 5 Stunden (wir hatten den Motor vorher bereits zur Ladung der Batterien an). Morgens kommt aber wieder Wind auf, Segel hoch und wir fahren mit immerhin 5 Knoten. Wir entscheiden, keinen Stopp in Mindelo einzulegen. Klar, es wäre schön, die bisher zur Stromerzeugung verbrauchten 40 – 50 Liter Diesel wieder aufzutanken. Aber dafür eine nächtliche Anfahrt ohne Karten oder ein längeres Dümpeln zum Warten in Kauf nehmen? Das ist es uns nicht wert, lieber möchten wir weiter, der Weg ist noch lang.

Wir entscheiden, quer durch die Kapverden zu fahren, östlich an der Insel Sao Nicolau vorbei, aber ohne Stopp.

Vormittags haben wir Funkkontakt zur Stroller aus Norwegen. Die erste Yacht seit Tagen. Die Stroller segelt nicht mit der ARC und will für ein paar Tage in Mindelo bleiben und dann in die Karibik. Leider bricht der Funkkontakt ab.

Dann sehen wir die ersten fliegenden Fische. Die Bezeichnung „fliegend“ ist wirklich nicht falsch. Die kleinen Fische fliegen in Schwärmen 20, 30 Meter über das Meer, ehe sie wieder eintauchen. Sie flüchten so vor Fressfeinden, die sie verfolgen.

 

Tag 8 (Sonntag, 27.11.2016)

Elke:

Heute ist der 1. Advent! Wir segeln mitten zwischen den Kapverden hindurch und schauen etwas wehmütig auf die Insel Sao Nicolau. Ein anderes Mal würden wir gerne hier anlegen und die Kapverden erkunden, aber jetzt wollen wir baldmöglichst über den Atlantik. Zum Trost nehmen wir eine Seewasserdusche und essen Omas Weihnachtsplätzchen.

Wir spielen zusammen Scharade und haben viel zu lachen über die pantomimische Darstellung von beispielsweise Osterhase, Hai, Kindergartenkind.

Ich versuche mich erstmals im Angeln. Nachdem ich mit Hilfe eines Angel-Buches, das ich glücklicherweise noch in der Chandlery in Dartmouth gekauft habe, einen richtigen Angelknoten fabriziere, lasse ich die Leine zu Wasser. Bevor ich sie noch belegt habe, macht es „Rumms“ und ich spüre einen gewaltigen Widerstand. Was ist das? Wir sehen etwas Blaues unter der Wasseroberfläche schimmern und vermuten als Großstadtkinder eine Plastiktüte, die ich erwischt habe. Beim Einholen der Leine fängt die vermeintliche Plastiktüte allerdings an zu zappeln und entpuppt sich als ca. 6 Pfund schwerer schimmernd blauer Fisch (Tuna?). Anfängerglück! Und nun? Die Aufregung ist groß, zumal wir gänzlich unvorbereitet sind. Keine Handschuhe, keine Gaff, keine Sprühflasche mit Alkohol parat. Wir holen den Fisch bis auf ca. 10 m hinter das Schiff heran. Bis wir soweit sind, den Fisch an Bord zu holen, hat er leider die Schnur durchgebissen und verschwindet mit meinem schönen Köder. Schade! Aber der Jagdeifer ist geweckt.

Am Abend erwischt uns wieder ein kleiner Squall. Der Wind frischt unverhofft auf 20 kn auf und es regnet in Strömen. Wir hatten das Großsegel noch nicht für die Nacht gerefft, wie wir Familiensegler das sonst immer tun, und werden klatschnass, zumal sich der Bullenstander auch noch verklemmt. Ganz schön aufregend, zum Reffen am Wind im strömenden Regen durch die stockdustere Nacht zu schießen. Die Squalls kann man ganz gut auf dem Radar erkennen, das wir deshalb den Rest der Nacht an lassen. Normalerweise benutzen wir es kaum, weil es sehr viel Strom verbraucht und die mittlerweile allermeisten Schiffe mit aktivem AIS ausgerüstet sind, dessen Signale wir auf dem Plotter sehen können.

Abends gucken wir den Film „Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann.

 

Tag 9 (Montag, 28.11.2016)

Elke:

Heute hat nicht nur ein Fisch angebissen, wir haben ihn auch tatsächlich an Bord befördert! Es war zwar nur der sehr kleine Kumpel unseres Fangs gestern – ein Hering, denken wir – aber er wird nichtsdestotrotz zu Sushi verarbeitet. Ehrlich gesagt, schmeckte er ein bisschen fettig, aber wir sind stolz auf unseren ersten eigenen Fang.

Wir sind nun mittlerweile sehr weit südlich, auf dem 15. Breitengrad und fühlen uns ziemlich allein auf dem Meer und trotzdem sehr wohl. Die Tipps unserer Wetter- und Törnberater (danke, Ralf! danke, Herr Taxwedel!) gehen auf: Wir haben die ganze Zeit Wind, während weiter oben im Westen Flaute herrscht. Wenn es so weitergeht, sind wir froh. Wir haben 1000 Meilen geschafft und noch 2000 vor uns. Puh, noch eine ganz schöne Strecke, auf der viel passieren kann. Im Nachhinein würden wir mittlerweile eher die ARC + mitmachen, die von Gran Canaria in ca. 1 Woche nach Mindelo auf den Kapverden führt, dort eine Woche Pause macht und dann erst die restlichen 2000 Meilen in Angriff nimmt. Aber es ist so, wie es ist und wir segeln munter weiter.

Was macht man so den ganzen Tag auf einem 40 Fuß großen Boot? Uns ist es noch nicht langweilig geworden: Wache halten, Rigg checken (eingedenk Jerry the Riggers, Worten: „Love your Rigg!“), Segel trimmen, Schule (das ist schon tagesfüllend), Kochen, Waschen, Plastikverpackungen und Dosen ausspülen (nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, außerdem riecht der Müll trotzdem), Obst und Gemüse checken, Batteriestand checken. Vor allem letzteres hat noch Verbesserungspotential: Wir werfen zwei mal am Tag den Motor an, um über die Lichtmaschine Strom zu erzeugen. Es ist aber keineswegs so, dass nach 0,5 – 1 Stunde die Batterien wieder zu 100 % voll sind. Je voller sie werden, desto weniger wird die von der Lichtmaschine erzeugte Strommenge (immerhin 80 A pro Stunde) in die Servicebatteriebank durchgelassen. Das liegt daran, dass die Starterbatterie, die zuerst geladen wird, ziemlich schnell voll ist und dann sozusagen den Zugang zur Servicebatterie erschwert. Möglicherweise könnte ein Ladestromregler hier eine Verbesserung bringen, also für eine schnellere Ladung der Servicebatteriebank sorgen.

Auch unsere Solarzellen laden eifrig die Batterien. Am Ankerplatz reicht die von den Solarzellen produzierte Strommenge in der Regel aus. Auf Fahrt gibt es aber noch ein Fülle zusätzlicher Verbraucher, die alle – teilweise rund um die Uhr – mit Strom gefüttert werden wollen. Die Navigationselektronik, der Autopilot, das Radar, das Funkgerät, die Navigationsbeleuchtung, das Satellitentelefon, alles Geräte, die auf Fahrten rund um die Uhr laufen. Dazu die normalen Verbraucher, Kühlschrank, Lichter, diverse Laptops, Tablets, Handys.

Wir haben uns unseren größten Stromfresser – den Kühlschrank – einmal genau angeschaut und festgestellt, dass wir ihn eigentlich nicht so dringend auf Fahrten brauchen! Das einzig wichtige, was er enthält, sind Wurst und Käse fürs Frühstücksbrot. Fleisch gibt es fast nicht mehr (die vorletzten Bratwürste gingen heute über den Teller), Obst und Gemüse und Eier lagern wir ungekühlt und auf das eine kalte Bier am Tag kann man auch verzichten. Wurst und Käse kann man problemlos durch Marmelade, Honig, Nutella, Pindakaas, Thunfischpaste, Lachende Kuh, vegetarischer Brotaufstrich u.v.m. ersetzen. Konsequenz: Bei der nächsten Langfahrt (auf Fahrt, nicht im Hafen oder Ankerplatz) überlegen wir, den Kühlschrank auszulassen. Das würde unseren Stromverbrauch ganz erheblich senken.

Markus:

Noch zum Stromerzeugung für künftige Langfahrer: Solarzellen sind nach unserer Erfahrung in sonnigen Gebieten sehr gut. Windgeneratoren scheinen, insbesondere auf Vorwindfahrten, nicht allzu viel Strom zu erzeugen. Gut sind Hydrogeneratoren, z.B. von Watt and Sea, da sie grade bei Fahrt – also dann, wenn man es braucht – viel Strom produzieren. Auch die Lichtmaschine des eigenen Motors sollte man beachten. Als Verbesserung bei uns würden wir einen Ladestromreger einbauen, damit der produzierte Strom schneller in den Batterien ankommt.

 

Tag 10 (Dienstag, 29.11.2016)

Markus:

Schönes, sonniges Wetter, wenig Wellen. Sehr warm. Wir entfernen uns von den Kapverden in Richtung Westen, Karibik. Bei Tagesanbruch wird der Wind schwach. Wir versuchen, mit unserem Code Zero zu segeln. Es dauert, bis alles aufgebaut ist. Als wir endlich mit dem Code Zero segeln, schläft der Wind ein. Also wieder runter damit . So kann man sich auch beschäftigen. Unser Etmal beträgt nur 109 Seemeilen. Abends gibt es von Elke (Vegetarierin) gemachten Wurstsalat mit Nudeln. Nachts kommt der Wind zurück und wir segeln mit 5,6 Knoten Richtung West.

Wir sind jetzt auf „unserem“ Breitengrad, 14 Nord, angekommen. Hier können wir immer weiter nach Westen segeln, bis wir in St. Lucia ankommen.

Abends gucken wir den Film „Slumdog Millionare“. Ein junger Mann, der in einem Slum in Bombay aufgewachsen ist, gewinnt bei der indischen „Wer wird Millionär“ Variante den Hauptpreis. Der Film macht immer wieder Rückblicke auf die Kindheit des Hauptdarstellers in den Slums. Oskar sagt, er möchte nun öfters „Erwachsenfilme“ gucken.

 

Tag 11 (Mittwoch, 30.11.2016)

Markus:

Wieder nicht allzu viel Wind, aber wir kommen voran. Etmal 114 sm. Dafür ein sonniger und ruhiger Tag.

Die Hauptbeschäftigug der Kinder ist Lesen. Oskar liest alles, was wir dabei haben. Reiseführer über die Karibik, Revierführer wie Atlantic Islands (in Englisch), Segelbücher wie „Blauwassersegeln“ von Sönke und Judith Roever. Dazu Bücher auf dem Kindle. Nestor liest „die Olchis“, die große Kinderbibel (ca. 300 Seiten!), Gregs Tagebücher auf dem Kindle. Dazu auch gerne Reise- und Revierführer.

Auch die Musik auf dem IPod ist ein Quell der Freude für die Kinder. Ständig möchte einer der beiden den IPod mit Kopfhörer haben. Gerne wird auch für alle über die Bordboxen „aufgelegt“. Die Favoriten sind im Moment: Bob Marley, Peter Tosh, Nirvana, Cypress Hill.

Täglich werden einige Stunden Schule gemacht. Das geht hier fast besser als auf Gran Canaria, da es hier keine Ablenkung gibt.

Abends gibt es Kichererbsen-Gemüse Eintopf mit Safran. Dazu für die Fleischesser Würstchen. Unser frisches Gemüse muss langsam aufgebraucht werden.

 

Tag 12 (Donnerstag, 01.12.2016)

Markus:

Der erste Dezember. Oskar und Nestor können die ersten Türchen an ihren Adventskalendern öffnen. Zum Glück gab es in Gran Canaria ganz normale (deutsche) Adventskalender mit 24 Türchen zu kaufen. Eine andere Form von Kalender wollten die Jungs nämlich nicht so gerne haben. Wir haben etwas Bedenken, dass die Schokolade davonschmilzt.

Es ist wieder warm. Überhaupt ist es jeden Tag warm, so bis ca. 30 Grad. Nachts etwas kühler, aber mehr als ein T-Shirt braucht es nie. Durch den Wind ist die Hitze aber erträglich. Nicht umsonst heißt die Route unter Seglern auch „Barfußroute“. Segelmanöver führen wir allerdings mit Schuhen durch, die Verletzungsgefahr ist ansonsten groß.

Elke:

Heute haben wir eine Menge fliegende Fische und zwei große Vögel gesehen. Ansonsten ist es mit der Tierbeobachtung auf dem Atlantik nicht weit her: Wir haben zwei Fische an der Angel gesehen, fliegende Fische, ein paar Vögel, eine tote Heuschrecke (auf Deck) und heute eine uns begleitende Flosse, die entweder einem Delphin oder Hai gehörte. Oskar und ich haben vorgestern Nacht Fiepen gehört, das wahrscheinlich von Delphinen stammte. Das war’s. Wie es unter Wasser aussieht, wissen wir allerdings nicht…

Mittlerweile hat der Verkehr wieder zugenommen: Wir haben heute zwei Frachter auf dem AIS gesehen, einen sogar in echt am Horizont und auf dem AIS die Skiathos, ein deutsches Segelschiff vom Skipperteam Schönnicke, das auch an der ARC teilnimmt. Mit der Skiathos haben wir über Funk eine Runde geplaudert, es ist schön zu wissen, dass wir hier unten nicht ganz allein sind. Das Mastlicht der Skiathos leuchtet freundlich in der dunklen Nacht.

Es gibt Spaghetti mit Gemüsesoße. Das ungekühlte Gemüse vom Markt hält sich wirklich gut.

 

Tag 13 (Freitag, 03.12.2016)

Markus:

In der Nacht auf Freitag legt der Wind deutlich zu. 20 – 26 Knoten Wind, das entspricht Windstärke 5 – 6. Wir haben beide Segel gerefft.

Es ist weiterhin warm bis heiß. Wir alle tragen nur Badehosen oder Bikini und schwitzen in der Kajüte. Draußen kühlt der Wind.

Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen. Bei dem Geschaukel ist die Zubereitung schwierig.

Etmal: 130 nm. Wir steigern uns.

Um 13.30 h feiern wir Bergfest. 1.503 nm seit Ablegen in Las Palmas. Die Hälfte der Strecke ist geschafft. Jetzt geht es „bergab“.

Später merken wir, dass die Gesamtstrecke wohl bei 3.100 nm liegen dürfte. Egal, trotzdem haben wir heute die Hälfte geschafft, dann halt erst am Abend.

Wir fahren wieder mit Windpilot. Bei Wind ab 15 Knoten aufwärts arbeitet er ganz ordentlich. Allerdings nicht genau vor dem Wind. Wir beschließen, mit raumem Wind zu fahren (Einfallswinkel scheinbarer Wind zwischen 120 – 130 Grad). Dann ab und zu eine Halse, also im ZickZack Kurs in Richtung Karibik. Das müsste mit dem Windpiloten gut zu machen sein. Bei dem starken Wind steuert er im Moment jedenfalls zuverlässig.

Abends gibt es selbstgemachte Pizza. Dazu backen wir direkt ein paar Brötchen für morgen früh.

 

Tag 14 (Samstag, 04.12.2016)

Markus:

Der Wind ist weiterhin kräftig. Wetter gut. Bei dem starken Wind haben wir ein gutes Etmal, 148 nm. Aber: Ein Teil davon ist dem ZickZack mit dem Windpiloten geschuldet und bringt uns dem Ziel nicht näher. Wir müssen mehr die direkte Strecke fahren, sonst brauchen wir noch ewig bis St. Lucia. Also wieder mehr mit dem Autopiloten, mit ihm können wir direkt aufs Ziel zusteuern. Hoffentlich hält er durch! Mit unserem Autopiloten – wir haben ein System von Raymarine – sind wir sehr zufrieden. Er steuert auch bei schwierigsten Bedingungen (Wind, Welle) zuverlässig und exakt. Nur haben wir von anderen Seglern gehört, deren Autopiloten bei der harten Dauerbelastung auf dem Atlantik den Dienst quittiert haben. Unser Gerät hat bisher keinerlei Anzeichen von Schwäche gezeigt. Um einen Defekt gar nicht erst aufkommen zu lassen, versuchen wir, unser System zu schonen. Also rechtzeitig reffen, guter Trimm der Segel, ab und zu mal selber steuern um den Ruderdruck zu prüfen, Einsatz des Windpiloten wenn möglich.

Als Zwei-Erwachsenen-Crew sind wir sehr auf eine zuverlässige Selbststeuerung des Schiffs angewiesen. Wer einmal versucht hat, ein oder zwei Stunden bei großen Atlantikwellen und sechs Beaufort Wind eine Yacht per Hand zu steuern, kann nachvollziehen, wie ungeheuer anstrengend dies ist. Dies kann mit einer Sechs-Personen-Crew im ständigen Wechsel geleistet werden. Mit nur zwei Erwachsenen würde unsere Belastungsgrenze bei Steuerung per Hand aber schon nach kurzer Zeit überschritten werden. Ist doch anders hier, als auf Wochenendtörn auf dem Ijsselmeer, wo jeder gerne mal steuern möchte. Steuern per Hand ist hier auf dem Atlantik definitiv keine Aufgabe, um die wir uns reißen.

Abends gibt es Chili sin Carne.

Elke:

Während der Nachtwache gibt es plötzlich ein lautes „Rumms“ und anhaltendes Geraschel auf dem Deck. Fliegende Fische sind auf unserem Boot gelandet. Einer hat sich durch das gekippte Salondachfenster gezwängt und versucht nun, durch das Moskitonetz in den Salon zu kommen. Ich hole schnell Handschuhe und einen Eimer und befördere den Kerl ohne Umwege wieder ins Meer. Man soll fliegende Fische essen können, aber die stinken so penetrant, dass wir kein Interesse haben. An der Angel lässt sich leider dagegen kein Fisch mehr blicken. Als absolute Angelanfänger haben wir noch viel zu lernen. Vor allem frage ich mich, warum meine Köder nicht versinken, wie es sich für einen ordentlichen Köder gehört, sondern mit einer kleinen Fontäne auf der Oberfläche hinter dem Schiff herzischen. Da würde ich als Fisch auch nicht reinbeissen.

 

Tag 15 (Sonntag, 04.12.2016)

Markus:

Nachts ist das Wetter gut, der Wind weiterhin kräftig und ordentliche Wellen gibt es auch. Ich habe am Plotter als Wegpunkt St. Lucia eingegeben. Noch 1.424 nm bis dorthin, sagt der Plotter. Auf dem Plotter wird, unter Berücksichtigung der Erdkrümmung, der kürzeste Weg angezeigt. Den wollen wir von jetzt ab nehmen. Allerdings – man glaubt es kaum – liegen hier im tiefen Atlantik ein paar (Wetter)Bojen verankert, die genau unseren Weg säumen. Wäre zu blöd, in den Weiten des Atlantiks genau auf eine Boje zu treffen (die Bojen sind groß und aus Stahl). Wir tragen die Bojen (die Standorte haben wir von der Homepage der NOAA) erst einmal in unsere elektronische Karte ein und sehen dann später, wie weit wir ausweichen werden. Die Lage der Bojen ist nämlich nicht so exakt festzustellen. Da sie in 4 – 5 Tausend Meter Tiefe verankert sind, haben sie einen großen Schwojkreis.

Als es morgens hell wird sehe ich Squalls am Himmel hinter uns. Nach der Windrichtung müssen sie auf uns zukommen. Ich mache das Radar an und sehe auch dort die Squalls deutlich in ca. 4 – 5 nm Entfernung mit Kurs auf uns zu. Squalls sind lokale Gewitterstürme, die in den Tropen auftreten. Sie haben eine Größe von wenigen Seemeilen und ziehen in der Regel von Nord nach Süd über den Atlantik. In einem Squall nimmt der Wind schlagartig stark zu bis auf Sturmstärke. Dann gibt es sintflutartigen Starkregen. Nach 15 – 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Ich reffe schnell die Segel und schließe alle Luken. Die anderen schlafen noch. Ihnen wird es nun wahrscheinlich ziemlich warm werden. Der Wind nimmt zu und es fängt auch an zu regnen, aber die Squalls ziehen glücklicherweise ca. 1 nm vor uns vorbei.

Die Squalls auf dem Plotter, angezeigt über das Radar: Die rosafarbenen Flecken auf dem Bild. Das schwarze Schiff in der Mitte sind wir. Der gelbe Pfeil zeigt die aktuelle Windrichtung an. Der graue Strich wäre die Ideallinie nach St. Lucia. Die grüne Linie fahren wir aktuell. Untern rechts die Entfernung nach St. Lucia (DTW): noch 1.388 nm (nautical miles), wir sind also in der Mitte des Atlantiks.

Das Etmal beträgt 145 nm. Wieder gut und diesmal nur in die richtige Richtung. Es geht richtig gut voran im Moment. Allerdings auf Kosten des Komforts. Das Schiff schaukelt in den hohen Wellen, wir müssen uns bei jedem Schritt festhalten und es wäre undenkbar, irgendwelche Gegenstände ohne Sicherung abzustellen, sie würden direkt umfallen.

Auch für die nächsten Tage ist ähnliches Wetter vorhergesagt, kräftige Winde aus östlichen Richtungen und hohe Wellen.

Heute ist der zweite Advent. Oskar, Nestor und Elke stellen unseren Mini-Weihnachtsbaum auf und schmücken ihn. Auch eine Lichterkette kommt in den Salon. Zum Glück war Elke auf Gran Canaria bei Ikea und hat dort einen kleinen Weihnachtsbaum und -schmuck gekauft.

Wir machen einen Adventskaffee mit Kucken (aus der Packung) und Omas selbstgebackenen Plätzchen.

Abends gibt es Elkes selbstgebackenes Brot – köstlich!

 

Tag 16 (Montag, 05.12.2016)

Markus:

Die Nacht auf Montag ist ruppig. Starker Wind und hohe Wellen schütteln das Schiff ordentlich durch. Alles, was nicht 100 % gesichert ist, klappert in den Schränken. Aber es geht weiterhin gut voran, mit 6 – 7 Knoten (beim Surf auf den Atlantikwellen auch deutlich mehr) in die richtige Richtung.

Elke:

(04.07 Uhr): Die Nachtwache von 0300 bis 0600 mag ich definitiv am wenigsten. Auf St. Lucia wird erst einmal geschlafen. Die ganze Nacht durchschlafen, darauf freue ich mich schon. Wir haben mittlerweile die Uhr umgestellt und stehen bei UTC -1, d.h. 2 Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit (MEZ) in Deutschland. Die MEZ beträgt UTC (Greenwich-Zeit) plus 1 Stunde. Die UTC -3, die auf St. Lucia herrschen, führen wir peu a peu ein.

Markus:

Am Tag wieder schönes Wetter, Sonne, Wind nimmt allmählich etwas ab, Wellen auch.

Oskar:

So, jetzt schreibe ich auch mal.

Ich mag diese Fahrt eigentlich und habe über nichts zu klagen, außer darüber, dass es nachts für mich immer zu heiß zum Schlafen ist. An das Schaukeln habe ich mich schon lange gewöhnt. Trotzdem will ich endlich mal ankommen. Blöd ist aber, dass bei uns nie ein Fisch anbeißt. Mama und Papa klagen dauernd darüber, dass sie bei der ewigen Schaukelei nicht einschlafen können, ich frage mich, wieso, ich kann bei der Schaukelei besser schlafen als sonst. Nestor und ich lesen den ganzen Tag (oder hören Musik oder tun beides gleichzeitig ), wenn wir nicht Schule haben, und wir beide freuen uns schon sehr auf die Karibik.

Elke:

Bis zur Karibik kann es allerdings noch etwas dauern. Um 20.00 Uhr ist mit großem Knall das Schothorn von unserem Großsegel rausgerissen. Und das bei höchstens 12 kn Wind! So ein Mist! Die ganze Familie sah grade den Film „Friendship“ mit Matthias Schweighöfer. Jetzt fahren wir nur mit der Genua und kommen entsprechend langsam vorwärts (4 kn im Schnitt). Leider ist der Wind auch nicht so stark wie vorhergesagt, höchstens 14 kn hat es. Noch 1147 nm bis St. Lucia, mit 4 kn dauert es noch 12 Tage (mit 6 kn nur noch 8 Tage – so ein Ärger). Morgen im Hellen müssen wir schauen, was wir machen können. Richtig reparieren können wir das mit unseren Bordmitteln nicht, wir müssen improvisieren. Schade, gerade lief es so gut. Wir rollen das defekte Segel in den Mast und sichern es.

Heute gab es immerhin Tomatensalat mit den vorletzten Tomaten vom Markt, die immer noch gut sind. Einige sind sogar noch nicht einmal richtig rot gereift und können noch ein paar Tage warten. Erstaunlich.

Das Etmal beträgt 146 nm.

 

 

Tag 17 (Dienstag, 06.12.2016)

Markus:

Heute ist Nikolaus. Elke füllt die Gummistiefel der Jungs mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Nestor kann es kaum erwarten, aufzustehen und nachzusehen. Um 07:30 darf er Elke wecken und dann dürfen Oskar und Nestor ihre Stiefel auspacken.

In der Nacht habe ich die ARC Rallyleitung und Seglerfreunde über das Malheur mit unserem defekten Großsegel informiert. Wir bekommen viele gute Tipps und Wünsche zurück, danke Euch allen!

Bei Tag stellt sich der Schaden wie folgt dar: Das Schothorn, dies ist der hintere spitze Teil des Großsegels zum Ende des Großbaums hin, ist ausgerissen. Es handelt sich dabei um ein massives Metallteil, welches in das Segel eingearbeitet ist. Dieses Teil ist vom Segel abgetrennt. Es war mit sechs massiven Gurtbändern am Segel angenäht. Diese Gurtbänder sind durchgerissen.

Eine Reparatur wäre denkbar, jedoch nicht durch Nähen. Denn auch in das Segel ist in dem Bereich ein Metallstück eingearbeitet, durch welches wir mit unserer Nadel nicht durchkommen würden. Wenn wir reparieren wollten müssten wir wohl mit dem Bohrer Löcher in das Segel bohren und dort, ggf. mit Unterstützung durch Schrauben, Dyneema-Tauwerksschäkel einziehen. Diese könnten dann eine Art provisorisches Schothorn bilden, durch welche der Achterliekstrecker zur Spannung des Segels gezogen werden könnte.

Wir überlegen, ob wir nicht mit unserer vorhandenen Beseglung vernünftig bis St. Lucia weiterkommen. Dort können wir unser Großsegel von einem professionellen Segelmacher instand setzen lassen.

Wir möchten prüfen, ob wir das volle vorhandene Segelpotential nutzen können und dann schnell genug sind. Bisher können wir die Genua am Spinnakerbaum nur zu ca. ¾ ausrollen; der Spinnakerbaum ist zu kurz für das große Segel. Wir setzen einen Block an die Baumnock des nun freien Großbaums und führen die Großschot durch diesen Block. So kann der Großbaum zum Ausbaumen der Genua genutzt werden. Tatsächlich lässt sich die Genua nun voll ausrollen und wir können die gesamten 43,5 qm Fläche nutzen.

Mit dieser Konstruktion sind wir zwar nicht so schnell wie zuvor mit funktionierendem Großsegel. Aber wir schaffen immerhin 5 Knoten Speed bei 15 Knoten Wind und 6 Knoten Speed bei 20 Knoten Wind. Das sollte reichen, um rechtzeitig zur großen ARC-Party am 17.12.2016 in St. Lucia anzukommen.

Wir beschließen daher, nur mit der Genau weiter zu segeln und das Großsegel in St. Lucia in die Hände eines professionellen Segelmachers zu geben. Wenn noch weitere Defekte auftreten sollten, können wir die Entscheidung immer noch revidieren und eine vorläufige Reparatur ausführen. Aber wir hoffen, dass wir so gut und halbwegs rechtzeitig in St. Lucia ankommen.

Der Segeltag nach unseren diversen Umbauten und Überlegungen ist dann toll. Bestes Wetter, Sonne, klarer Himmel, moderater Wind und moderate Wellen. So macht es richtig Spaß, über den Atlantik zu gleiten. Wir hören, dass unsere Freunde, die schon vor uns sind, teilweise schlechtes Regenwetter mit schweren Squalls hatten. Da haben wir bisher richtig Glück gehabt! Wir sprechen beim Sundowner über die Zeit bisher auf dem Atlantik und kommen zu dem Schluss, dass wir uns nicht weiter über das defekte Großsegel ärgern sollten, sondern uns vielmehr jeden Tag freuen sollten, dass wir die Chance haben, die Weite und Freiheit auf dem Meer zu genießen.

Abends gibt es Ratatouille mit Reis. Wir gucken den Film „Friendship“ zu Ende.

In der Nacht auf Mittwoch unterschreiten wir die 1.000 Seemeilen Grenze nach St. Lucia. Das heutige Etmal beträgt 134 nm.

Tag 18 (Mittwoch, 7.12.2016)

Elke:

Die Genua zieht gut, auch wenn wir uns tagsüber etwas mehr Wind gewünscht hätten. Dafür frischt es nachts mit bis zu 22 kn auf. Bis auf einen toten fliegenden Fisch an Bord gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Wir müssen unseren Block an der achterlichen Klampe, über welche die Genau nun läuft, noch einmal verlegen, weil der Druck für die Führung an der Reling zu stark ist. Ansonsten funktioniert unsere Konstruktion prima. Schönstes Segelwetter auf dem Atlantik, nur die Wellen sind etwas ruppig und werfen uns umher. Das Etmal beträgt immerhin 126 nm. Auf dem AIS sehen wir einen Frachter Kurs Mississippi und ein großes Segelboot.

Die Angel bleibt leer. Das Etmal beträgt 128 nm.

 

Tag 19 (Donnerstag, 8.12.2016)

Elke:

Heute morgen zwischen 5 und 6 Uhr habe ich mit Argusaugen nach der Boje „Middle Atlantic“ Ausschau gehalten, die wir in etwa 5 nm Entfernung passiert haben müssen. Ich konnte sie aber – außer als kurzes Radarecho – nicht entdecken. Nichtsdestotrotz sind wir nicht dagegen gefahren und müssen nur noch 4 bis 5 von den Dingern passieren. Es gibt sogar welche mit Webcam, die man sich auf der Homepage der NOAA (Amerikanische Wetterbehörde) anschauen kann. Bestes Programm zum Einschlafen, es sei denn, ein Schiff rammt.

Wir haben wie immer ein ausgezeichnetes Frühstück mit selbstgebackenem Brot, Pumpernickel (von Babsi und Lutz, sehr lecker, danke schön! Und aus dem Hyperdino), Knäckebrot (von Ikea) und Zwieback (ebenfalls Hyperdino). Alles, was das Herz begehrt. Außerdem scheint die Sonne und es weht ein schöner Wind, der uns mit nicht unter 5 kn vorwärts schiebt. Mit der Genua klappt alles gut. Abends frischt es bis auf 23 kn, wir reffen und fahren im Schein des Halbmondes dahin. Heutiges Etmal: 135 nm.

Kein Fisch beißt an. Ich wüsste ja gerne, was ich falsch mache (auf den anderen Schiffen, mit denen wir Kontakt haben, beißen sie nämlich schon) und bastele jeden Tag an der Leine und den Ködern herum. Auch eine nette Beschäftigung.

Es gibt allerdings sehr viele fliegende Fische hier, die lustig über das Wasser flattern. Es macht Spaß, sie zu beobachten. Wir sehen außerdem einen großen Katamaran am Horizont und einen Frachter auf dem AIS. Hier kommen täglich 1 bis 2 Frachter vorbei, es scheint eine gängige Schifffahrtsroute zu sein. Wenn wir jetzt direkt nach Süden abbiegen würden, kämen wir in Brasilien an.

Der defekte Bluetooth-Kopfhörer hat sich nach nochmaligem Anschauen wie ein Phönix aus der Asche erhoben und funktioniert nun immerhin mit Kabel. Wir nutzen ihn zum Musikhören unter dem Sternenhimmel. Sehr schön!

Die Kinder haben hier viel Zeit für die Schule, was wir ordentlich ausnutzen, um vorzuarbeiten. Nestor ist in die Bereiche des Multiplizierens vorgedrungen und macht sich mit dem Einmaleins vertraut. Außerdem lernt er freiwillig viele Englisch-Vokabeln. Oskar geht wie selbstverständlich sein ganzes umfangreiches Programm durch.

Ein angenehmer Luxus: Seit heute spülen wir wieder mit Süßwasser statt mit Salzwasser. Wir haben von unserem 150 l Wassertank ca. 75 % verbraucht, der 210 l Tank ist noch zu 100 % voll (das Trinkwasser haben wir zusätzlich in Flaschen dabei.), da kann man sich schon mal was gönnen ;-). Dabei haben wir nach unserem Gefühl nicht gegeizt mit dem Wasser. Alle 2-3 Tage haben wir geduscht, erst mit Salzwasser, dann mit Süßwasser und Waschlappen nachgespült. 2 x tägliche Wäsche mit Zähneputzen, Händewaschen etc. ebenfalls mit Süßwasser. Das Wasser entnehmen wir aber immer über die Handpumpe aus den Tanks. So wird viel weniger Wasser entnommen, als wenn – wie sonst üblich – die elektrische Pumpe in Betrieb ist.

Das Etmal beträgt 138 nm.

 

Tag 20 (Freitag, 9.12.2016)

Markus:

Nacht auf Freitag: angenehmes Segeln, Wind ca. 20 Knoten (= 5 Beaufort), heller Mond, etwas weniger Wellen (Macbook bleibt ohne Festhalten auf Tisch stehen). Beim Sundowner gestern haben Elke und ich uns über die Zeit nach „unserem Jahr“ unterhalten. Was haben wir für Vorstellungen, Pläne, Gedanken? Schön ist, dass wir hier draußen in Ruhe, ohne Ablenkung und ohne Hektik unsere Gedanken formulieren können. So viel Zeit und Ruhe hatten wir zu Hause selten.

Noch 730 nm nach St. Lucia. Unser heutiges Etmal beträgt 144 nm.

 

Tag 21 (Samstag, 10.12.2016)

Elke:

Ärgerlicherweise ist eins meiner schönen selbstgebackenen Brote im Schapp verschimmelt. Wahrscheinlich hat es noch zu viel Feuchtigkeit ausgedunstet. Wir backen statt dessen Brötchen für das Adventsfrühstück morgen.

Oskar:

Heute haben wir die 5000 Seemeilen –Marke überschritten (seit Makkum). Deswegen gab es zum Frühstück Pfannkuchen. Heute hat es recht wenig geschaukelt , aber wir waren trotzdem 6 Knoten im Durchschnitt schnell.

Elke:

In der Nacht wurde es allerdings ruppig. Viel Wind, Wellen, nervender Kreuzschwell. Nachdem ich abends (glücklicherweise) das Schottbrett zum Niedergang wieder angebracht habe, bricht eine halbe Stunde später eine Welle ins Cockpit ein und überflutet es völlig. Unten kommen dank des Schottbretts nur ein paar Spritzer an.

Um 23.30 Uhr habe ich Wache, sitze im Salon und beobachte auf meinem Mobiltelefon die Anzeige des Plotters draußen (über WLan, sehr praktisch). 21 kn Wind, ok., 30 Sekunden später sind es aber 37 kn Wind! Ein Squall! Schnell Markus geweckt, rausgesprintet, die Genua von Handtuchgröße auf Gästehandtuchgröße gerefft. Unser Plotter hat leider einen Nachteil: Bei Regen macht sich der Touchscreen selbständig und schaltet auch schon mal den Autopiloten aus. Also im strömenden Regen die Touchsperre eingerichtet und dann wieder rein und alles dicht machen. Das war der einzige Squall in der Nacht, aber es bleibt ruppig und wir müssen aufmerksam Wache halten.

Über unsere Mobiltelefone können wir alle Schiffsdaten einsehen; wir haben sie über W-Lan mit dem Kartenplotter verbunden.

Anmerkung: Plotter mit bloßem Touchscreen sind zwar schick, im strömenden Regen hat man aber verloren. Unser Plotter (Raymarine Hybrid Touch) hat zum Glück auch noch einen Regler, eine Art Drehknopf, über den wir ihn mit ausgeschaltetem Touchscreen bedienen können.

In der Nacht haben wir Funkkontakt zu einer ARC-Yacht, der Mosaikk, die parallel zu uns fährt. In ihrer Comfortina 32 (9,50 m lang) wird das norwegische Paar ganz schön durchgeschaukelt. Wir sind alle froh, dass wir bald ankommen.

Der Mond nimmt wieder zu (wir sind bei Neumond losgefahren). Das ist schön, wir sehen zwar nicht mehr so viele Sterne, aber dafür begleitet uns der Mond einen Teil der Nacht und leuchtet uns auf unserem Weg (außer in den Squalls).

Unser heutiges Etmal: 140 nm.

 

Tag 22 (Sonntag, 11.12.2016)

Elke:

Der 3. Advent. Wir essen die letzten Plätzchen von Oma, den letzten Kuchen und hören eine CD mit schräger spanischer Weihnachts-Musik, die ich versehentlich in Las Palmas gekauft habe.

Und wir sind heute 3 Wochen auf See! Unglaublicherweise sind es nur noch absehbare 375 nm bis Saint Lucia. Dafür zeigt der Atlantik noch einmal alles, was er kann. Naja, nicht ganz, aber vieles: Wind, Böen, Wellen, Schwell und nachts Regen und Squalls. Die nächsten Tage bleiben laut Wetterbericht rauh, Wind bis 27 kn mit Böen bis 35 kn. Das wird noch anstrengend!

Das heutige Etmal: 142 nm (allerdings auf 25 Stunden, wir haben gestern nach 12.00 Uhr mittags die Uhr um 1 Stunde umgestellt. Noch eine Umstellung bis zur St. Lucia-Zeit).

Die Nacht bleibt rauh, laut und anstrengend.

Wir haben vor der Atlantiküberquerung im Schiff diverse Befestigungen und Halterungen angebracht. Diese erweisen sich bei dem Seegang als sehr hilfreich. Kein Glas oder keine Dose würde sonst auf dem Tisch stehen bleiben.

 

Tag 23 (Montag, 12.12.2016)

Elke:

Es bleibt windig, Böen bis 32 kn, Wellen ca. 3 m. Das sind ständig 6 – 7 Beaufort. Dafür tagsüber Sonne und schöne Passatwolken. Und ein riesiger Regenbogen. Wir bemerken unter dem Sitzpolster im Salon eine kleine feuchte Stelle. Es ist etwas Salzwasser eingetreten. Die Suche führt schnell zum schon seit längerem nicht ganz dichten Fenster im Salon, durch das bei Belastung ein wenig Wasser eindringt. Bavaria hat vier kleine Fenster in den Rumpf eingebaut (also nicht im Aufbau, sondern im Rumpf), durch die wir niemals hinausschauen (weil es so dicht über der Wasseroberfläche eh nichts zu sehen gibt und wir das vorbeigurgelnde Wasser auch nicht so gerne anschauen) und von denen mittlerweile drei nicht 100%ig dicht sind. Die Fenster müssen wir beim nächsten Werftbesuch abdichten lassen, vor der nächsten größeren Fahrt werden die Dichtungen vorsichtshalber mit einem Klebestreifen verstärkt.

Markus hat heute noch einmal den Windpiloten angeworfen, es aber, nachdem sage und schreibe innerhalb von 30 Minuten vier mal die Genua back geschlagen ist, frustriert wieder dran gegeben. Der Kurs vor dem Wind liegt dem Windpiloten nicht, er hat zu wenig Spiel für seine Schlangenlinien. Wir sind ziemlich enttäuscht, dass wir die 3500 Euro teure Anschaffung tatsächlich nur bei bestimmten Kursen und ziemlich viel Wind nutzen können. Und das bei optimalem Segeltrimm. So war das nicht gedacht. Wir steuern also weiter mit unserem elektrischen Autopiloten. Der läuft einwandfrei.

Das heutige Etmal beträgt 141 nm. Noch 215 nm bis St. Lucia!

Es ist ungemütlich, vor allem weil die hohen Wellen das Schiff schwer rollen lassen. Wir fühlen uns aber wohl und sicher in unserer Diana. Sie ist nicht nur ein ausgesprochen schönes Schiff mit viel Platzangebot, sondern segelt auch sehr gut und surft 1A über die Atlantikwellen, die achtern angerauscht kommen. Das ist immer wieder ein Erlebnis: Es erhebt sich von hinten eine Welle ca. 1,50 m – 2 m über Cockpithöhe, man fragt sich, ob das gut geht, doch das Heck des Schiffes hebt sich jedes Mal elegant in die Höhe und das Schiff surft über die Welle hinweg. Nur wenn die Wellen schon vorher gebrochen sind, platschen sie auch mal ins Cockpit. Das kommt im Moment glücklicherweise selten vor.

Markus:

Unsere Freunde von der StepbyStep sind heute in St. Lucia angekommen. Die JoEmi ist gestern angekommen; die Eleonore dürfte jetzt auch da sein. Wir planen die Ankunft für Mittwoch Vormittag.

In Erwartung der Ankunft haben wir heute im Schiff umgeräumt. Die Sachen, die wir im Vorschiff – Elkes und meine Kabine – gestaut haben, haben wir wieder in die freie Achterkajüte geräumt. Unter anderem unser Schlauchboot, das Kajak der Kinder, den Grill etc. Während der Passage schlafen wir gerne in der Achterkajüte, dort schaukelt es nicht so sehr wie im Vorschiff. Im Hafen, am Ankerplatz und auf ruhigeren Passagen schlafen wir aber lieber in unserer Vorschiffkabine, dort ist es wesentlich geräumiger.

 

Tag 24 (Dienstag, 13.12.2016)

Markus:

Die Nacht auf Dienstag ist wieder anstrengend. Starker Wind, der sich auf 25 – 30 Knoten eingependelt hat, in Böen auch mehr. Dazu hohe Wellen, die immer noch kreuzweise kommen. Im Schiff fühlt es sich an, als würde man mit hoher Geschwindigkeit mit dem Auto über eine Schotterpiste fahren. Alles rappelt. Elke weckt mich: Wir haben die Luke im Salon offen gelassen. Eine hohe Welle ist über das gesamte Deck gespült und hat ordentlich Wasser durch die Luke herein gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Wellen heute so hoch kommen. Wir wischen das Wasser auf und schließen die einzige noch offene Luke. Nun wird es noch schwüler und stickiger im Schiff.

Den ganzen Tag über bleibt es ruppig. Mehrere Squalls bringen sehr starken Wind und viel Regen.

Wir duschen alle mit Süßwasser aus unserer Cockpitdusche. Elke putzt Bad und Küche. Alle Zimmer werden aufgeräumt.

Abends gibt es Pasta mit Barilla Sauce und Parmesan. Nur noch 100 Seemeilen!

 

Tag 25 (Mittwoch, 14.12.2016)

Markus:

In der Nacht auf Mittwoch weiterhin schwierige Bedingungen. Teilweise starker Wind (bis in einer Böe 44 Knoten). Dann wieder nur 15 Knoten. Ständige Arbeit, Segel reffen, wieder rauslassen, Kurs korrigieren. Dann dreht der Wind oft, 30 Grad nach Nord, 30 Grad nach Süd. Unsere Genua schlägt öfters mit einem lauten Knall um. Wir machen uns Sorgen um das Segel, möchten es möglichst schonen. Aber von hier würden wir auch mit dem Motor in St. Lucia ankommen. Es sind nur noch 60 Seemeilen.

Morgens sichten wir Land. St. Lucia und Martinique. Weiterhin viele Wolken, Regen und hohe Wellen. Wir fahren gegen 11 Uhr lokaler Zeit um die Nordspitze von St. Lucia. Elke meldet uns bei der ARC Ziellinie über Funk an. In der Rodney Bay in St. Lucia befindet sich vor dem Hafen eine Ziellinie, bestehend aus einer Segelyacht und einer gelben Boje.

Um 11:59 Uhr lokaler Zeit passieren wir die Ziellinie.

Viele Schlauchboote unserer Freunde kommen uns entgegen, um uns zu begrüßen. Ein toller Empfang. Das Wetter ist auch wieder gut.

Um 13:00 Uhr machen wir in der Marina Rodney Bay in St. Lucia fest. Auch hier wieder ein toller Empfang. Die Crews von StepbyStep, Joemi, Eleonore, Freedom, Pierina und einige andere jubeln am Steg. Sogar die Crew der Noah ist gekommen. Es gibt Rumpunsch und einen Obstkorb.

Wir haben es geschafft!

Ein Gedanke zu „Logbuch der Atlantiküberquerung, Tag 1.- Tag 24.“

  1. Hallo Fam. Schlüter
    Ich habe gerade Euern ARC Bericht gelesen. Toll!
    Habe 2013 die ARC gesegelt und schöne Erinnerungen kamen wieder hoch.
    Viel Spass und alles Gute weiterhin.
    Volker

Kommentare sind geschlossen.